Mobile-Performance als Schlüssel zu mehr Umsatz

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Die Geschwindigkeit einer Website auf einem Desktop mit WLAN ist auf keinen Fall unwichtig. Da jedoch jedes Jahr mehr Traffic via Smartphone stattfindet, solltest du den Fokus auf Mobile-Performance legen. Ich zeige einige prominente Beispiele, die zeigen, wie es funktioniert.

28.12.2019 - aktualisiert am 03.01.2020.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der US-Unternehmensberatung Bain & Company sowie Google Schweiz zeigt es schwarz auf weiss:
Lediglich knapp 10% aller Schweizer Websites weisen auf dem Smartphone eine Ladezeit von weniger als drei Sekunden auf. Lange Ladezeiten führen sehr schnell zu Frust, wie dieses Video aus Dänemark zeigt:

Riesiges Potenzial, kaum genutzt

Ich sehe es jedes Mal, wenn ich die öffentlichen Verkehrsmittel nutze: Einige nutzen den Laptop, um zu arbeiten. Einige lesen Zeitung. Was ist jedoch praktisch bei allen omnipräsent? Das Smartphone. Ich kenne niemanden, für den das Smartphone nicht zum Alltag gehört und intensiv genutzt wird.

Da unterwegs meist kein WLAN zur Verfügung steht, erfolgt die Verbindung via 4G (bald 5G, aber das wird noch etwas dauern). Aus diesem Grund ist es zentral, dass eine Website oder ein Webshop neben der Ansicht auf dem Desktop (grosser Bildschirm) auch eine tolle Mobile-Performance aufweist.

Zahlreiche Websites laden in der mobilen Version jedoch zu langsam. Das führt dazu, dass potentielle Kunden die Website wieder verlassen, weil sie frustriert sind. Die Analyse von Bain und Google zeigt zudem konkret, dass über 50% die Website verlassen, wenn sie länger als drei Sekunden lädt:

Umsatzeinbussen an Black Friday und Cyber Monday

Ungenügende Mobile-Performance führt nicht nur bei Website-Besuchern zu Frust, sondern auch beim Betreiber eines Webshops. Grade an Tagen mit Rabattschlachten wie dem Black Friday soll möglichst viel Umsatz erzielt werden. Da die Produkte an diesem Tag besonders günstig verkauft werden, muss die Website hier unterstützend wirken und schnell reagieren.

Ansonsten können auch keine günstigen Produkte zu tollen Preisen verkauft werden, wenn es bereits mehrere Sekunden dauert, bis das Produkt dem Warenkorb hinzugefügt werden konnte.

Um solchen entgangenen Umsatz möglichst gut vorzubeugen können gemäss Studie die folgenden drei Massnahmen helfen:

  • Kundenorientiertes Design: Eine Website oder ein Webshop soll einfach sein. Für den Nutzer muss klar sein, wo die Produkte zu finden sind und wo er suchen kann. Eine Produktseite soll alle relevanten Informationen kompakt zusammenfassen, am besten mit Bildern und eventuell einem Video. Kurz: Hohe Benutzerfreundlichkeit, auch auf dem Mobile.
  • Technisch topaktuelles Design: Die Basis muss stimmen. Im Falle von WordPress und dem Shop-Modul WooCommerce ist es beispielsweise PHP. Ist diese Version veraltet, hat dies einen direkten Einfluss auf die Ladezeit. Ebenso solltest du jeglichen Balast auf der Website entfernen, wenn dieser so oder so nicht aktiv verwendet wird.
  • Regelmässige Messung der Performance: Bounce-Rate sowie Kaufabschlüsse (Conversions) sind wichtige Kennzahlen für jeden Webshop. Hier kann Google Analytics helfen, aber auch für die generelle Messung der Ladezeit gibt es zahlreiche Tools.

Bei Optimierungen der Performance ist es ähnlich wie bei der SEO: Mit einem Mal ist es nicht getan. Dieser Bereich erfordert ständige Überwachung, sonst ist der Webshop ein paar Monate später möglicherweise wieder langsam, weil inzwischen beispielsweise Produktbilder unkomprimiert hochgeladen wurden und so zu längeren Ladezeiten führen.

Screenshot einer Messung via Ubersuggest

Beispiel: Wie TUI Schweden die Mobile-Performance verbessert hat

TUI hat in Schweden praktisch das gesamte Unternehmen auf den Kopf gestellt, um deren Website tui.se performanter zu machen. Dabei haben sich nicht nur die Webentwickler überlegt, wie die Website bezüglich Performance verbessert werden kann. Designer, Projektleiter bis hin zum CEO konnten mit Fakten überzeugt werden, dass die Prozesse intern geändert werden mussten.

So schafften sie es nach sechs Monaten, die Bounce Rate auf Mobile um 31% zu reduzieren. Die Ladezeit selber konnte gar um 78% verringert werden – ein grossartiger Wert:

Quelle: Think with Google

Dieser Erfolg ist auf die Umsetzung der folgenden Massnahmen zurückzuführen:

  • Umstellung von HTTP auf HTTPS.
  • Umstellung von http/1.1 auf http/2.
  • Wechsel auf ein CMS, welches statische HTML-Dateien ausliefern konnte.
  • Einsatz von webp-Bildern sowie schlanken SVG-Vektorgrafiken.
  • Asynchrones Laden von CSS.

Vergleich mit TUI Schweiz

Die mobile Website von tui.se ist in der Tat sehr schnell. Doch wie steht es um tui.ch? Nicht ganz so gut.
Bei TUI Schweden erfordert die Website 45 Server-Anfragen bis zum vollständigen Aufruf der Startseite. Die durchschnittliche Ladezeit via 4G (Standort Zürich) beträgt rund 3.6 Sekunden.

Auf der anderen Seite benötigt es bei TUI Schweiz insgesamt 90 Server-Anfragen für das Laden der Startseite, also doppelt so viele. Die Ladezeit via 4G beträgt hier durchschnittlich unter anderem deshalb auch ganze 9.2 Sekunden, wie die folgende Grafik zeigt:

Screenshot webpagetest.org

Beispiel BMW

Die mobile Website des deutschen Autokonzerns war gemäss Jörg Poggenpohl, Global Head Digital Marketing bei BMW, sehr langsam. Sie entsprach lange nicht dem modernen Image der Marke und damit auch schnellen Autos.

Aus diesem Grund wurde entschieden, die mobile Website komplett neu zu gestalten und wieder auf Feld eins zu starten. Ohne Altlasten, ohne überflüssigen Code in Front- und Backend. Das Hauptziel war klar: Geschwindigkeit.

BMW entschied sich gemäss diesem Bericht für die folgende Kombination: PWA (Progressive Web Apps) und AMP, einem Google-Framework. Die Resultate sind beeindruckend:

  • Die neue mobile Website lädt nun 3x schneller als zuvor.
  • Die Zahl mobiler Nutzer ist um 27% angestiegen.
  • SEO generiert 49% mehr Zugriffe als bei der alten Website.

Fazit

Mobile-Performance darf nicht mehr ignoriert werden. Es ist klar, dass solche Massnahmen Aufwand und Schweiss erfordern. Unabhängig von der Branche kann hier aber in der Schweiz noch viel passieren, wie die internationalen Beispiele gezeigt haben. Es ist daher noch einiges möglich. Das Potenzial muss lediglich ausgeschöpft werden. Für mehr Kundenzufriedenheit.

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